SCHWARZ AUF SCHWARZ – DA SEHE ICH SCHWARZ!

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Fast jeder hat einen und meistens ist er mit Kleidung hinterlegt: der Fetisch. Der eine mag Lycra, ein anderer Füße und wieder ein anderer mag Spucke im Gesicht. Und ganz Wilde mögen vielleicht alles zusammen in Kombination. Aber was ist eigentlich ein Fetisch?

Die allwissende Tante Wikipedia sagt: „Als sexueller Fetischismus wird in der Regel eine sexuelle Devianz verstanden, bei der ein Gegenstand, der sogenannte Fetisch, als Stimulus der sexuellen Erregung und Befriedigung dient.“ Die Vorliebe für Fetisch ist dabei sehr breit gefächert, die einen brauchen den Fetisch, um überhaupt richtig in Fahrt zu kommen, für die anderen ist er eher das Sahnehäubchen on top. Ich finde Männer in Leder oder Latex sehr attraktiv, allerdings zählt für mich der Mensch, der in den Textilien steckt, denn der macht die Begierde aus. Mein Fetisch sind Gesichter. Alles andere ist mir egal, gleich ob Hautfarbe, Alter, Körperbau, Behaarung, Größe und sogar die Schwanzgröße. Das Einzige, was mein Gegenüber haben muss, damit es eventuell zum sexuellen Akt kommt, ist ein Gesicht, welches mich fasziniert.

Leder-Fetisch, eine ernste Angelegenheit?

Die Gesichter vieler Herren in Schwarz werden indes ganz ernst, wenn es um das Thema Leder geht. In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass viele so unentspannt bei diesem Thema sind, ja fast schon konservativ. Und so sehe ich dann auf zahlreichen Veranstaltungen Jungs herumstehen, die etwas zu ernst rüberkommen, vielleicht schon ein wenig unbeholfen sogar, sodass für mich der Eindruck entsteht, da mangelt es am Spaß an der Sache. Besonders fällt mir das auf, wenn ich an die “Generation Tom of Finland“ denke. Da ich ja selbst Generation 50+ bin, kann ich auch über diese Männer sprechen. Ich selbst mag Tom of Finland! Seine Kunst, seinen Witz in seinen Werken, das, was er für die Szene getan hat, insbesondere für die Fetisch-Szene. Ob er geahnt hat, was er da der Nachwelt hinterlässt? Diese übernatürlichen Adonisse mit ihren göttlichen Beulen und diesem ewigen Grinsen im Gesicht. Ständig am Ficken, ständig die Hand am Gemächt, immer auf der Lauer, immer allzeit bereit. Solange ich zurückdenken kann, habe ich immer Leder mit diesem Künstler und seinen Bildern in Verbindung gebracht. Und war er nicht der Erste, der den Schnurrbart salonfähig gemacht hat?

Umso mehr bleibt die Frage offen, warum die Jungs über 50 manchmal wie steife Abziehbilder der Tom-of-Finland-Kultur aussehen, es fehlt ihnen die Leichtigkeit. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass sie so viel Geld ins Outfit investiert haben, und keiner würdigt es so richtig? Und schon sind wir beim Thema Fetisch Fashion! Mit Freude habe ich die letzten Jahre beim Folsom-Festival gesehen, wie breitgefächert doch Fetisch sein kann und dass die kommende Generation ihren Weg gefunden hat, Fetisch neu zu interpretieren. Mir selbst sind Menschen lieber, die sich selbst nicht so ernst nehmen und alles mit einem Augenzwinkern und einer selbstsicheren Attitude verbinden können. Und genau diese sind es dann auch, die sich aus der “schwarzen Ecke“ lösen und beginnen, mit Formen und Farben eingestaubte Konventionen aufzubrechen. So gibt es in der Leder-Fetisch-Hauptstadt Berlin einige Stores und Designer, die es sich auf die Fahnen geschrieben haben, “anders“ zu sein und schon fast mutig daherkommen, wenn sie zum Beispiel mit der Farbe Pink in ihren Kollektionen arbeiten. Einer dieser Designer ist der Berliner Robby Babble (CrazyLeatherBerlin bei Etsy). Selten habe ich so viel Freshness bei einem Designer erlebt! Ich sage nur: Harness mit echten Haaren! Ein weiterer Garant für Einzigartigkeit ist der exklusive Fetisch-Store Schwarzer Reiter in Berlin Mitte. Hier wird viel mit Strass, Federn und anderen “unmännlichen“ Materialien gearbeitet.

Lust auf Pink?

Es darf also durchaus einmal farbenfroh sein! Einem Herrn präsentierte ich neulich ein von mir kreiertes Harness, das aus einem pinkfarbenen Gurtband bestand. Er sah mich an und fragte: „Ganz geil, aber warum pink?“ Ja, warum denn nicht? Ich habe da eine Vermutung: Männer, die sich ihrer Sexualität bewusst sind und nicht darüber nachdenken müssen, ob sie feminin oder maskulin sind, würden diese Frage überhaupt nicht erst stellen. Sie lieben es einfach, zu experimentieren. Fetisch soll Spaß machen, Fetisch darf ausgelebt werden und Fetisch kann viele Seiten und Farben haben. Wie schön wäre es, wenn es künftig nicht mehr so bierernst auf manchen Veranstaltungen zuginge.  Und ich freue mich jetzt schon auf alle Menschen, die trotz Fetisch oder vielleicht gerade deswegen ihre Pailletten-Chaps anziehen und es genießen, einfach bunte Vögel zu sein. (nb)

Redaktionhttps://him-magazine.de
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