SCHWULE KRIMIS – Fantastische Literatur für schwule Leser

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Der Mörder ist immer der Gärtner? Mitnichten! Im Brei der allgemeinen Krimiflut haben viele Leser in den vergangenen Jahren dabei das Genre vermeintlich hinter sich gelassen, denn gerade für Schwule sind die Stoffe oftmals nur schwerlich interessant – nebst den immer brutaler werdenden Methoden, wie die vermeintlichen Opfer hinwegscheiden können, schnappt sich der heldenhafte Ermittler am Ende zumeist die sexy Braut – Gähn! Trotzdem sollten wir die Lust an spannenden Storys nicht gänzlich ad acta legen, denn zwei Geschichten aus Berlin wecken jetzt unsere unbändige Neugierde. Veit Georg Schmidt von der Wiener Löwenherz-Buchhandlung ist den Geschichten von Privatdetektiv Sören Petersen nicht nur gänzlich verfallen, er hält sie schlicht für die großartigsten schwulen Krimis ever! Überrascht sind wir davon natürlich nicht, denn Autor Roland Gramling hat uns bereits mit seiner lebensnahen und wunderbaren Trilogie „Frankfurt 30 Grad“, „Sehnsucht nach Sonne“ und „Auf dem Sprung“ begeistert, ebenso erhältlich im Querverlag.

TOTE FOLTERN NICHT (2021)

Sören Petersen hatte schon bessere Tage: Nach einer gescheiterten Beziehung und einem unrühmlichen Karriereende bei der Berliner Mordkommission schlägt er sich als Privatdetektiv durch. Zunächst glaubt er bei seinem neuen Fall an einen Routineauftrag: Für die dubiose Anwältin Constanze Stark, die für ihre prominenten Kunden heikle Probleme diskret aus dem Weg räumt, soll er den verschwundenen Sohn einer bekannten Politikerin finden. „Bambi“, so der Spitzname des Vermissten, galt als attraktiv, sympathisch und treuherzig. Doch dann stößt Petersen bei seinen Ermittlungen auf ein Netz aus Intrigen und undurchsichtigen Verstrickungen, die von der schwulen Szene um den Nollendorfplatz bis ins Berliner Regierungsviertel reichen. Als eine übel zugerichtete Leiche im Tiergarten gefunden wird, kommt es zu einer dramatischen Wendung – und Sören gerät selbst ins Visier seiner Ex-Kollegen vom Landeskriminalamt. Doch seine Auftraggeberin hält schützend ihre einflussreichen Hände über ihn. Und so stellt sich Petersen bald die Frage, welche Rolle Constanze Stark in diesem Fall zukommt. Ist er nur eine ihrer Marionetten in diesem tödlichen Spiel?

Ein Krimi mitten aus der schwulen Szene Berlins rund um Nollendorfplatz und Motzstraße, getrieben von Intrigen schwuler Polit- und Lobby-Akteure der hauptstädtischen Lokalpolitik. Alles beginnt mit einer Vermisstenanzeige, „Bambi“, der attraktive, sympathische und treuherzige schwule Sohn der aller Wahrscheinlichkeit nächsten regierenden Bürgermeisterin wird vermisst. Sören Petersen, einstiger Polizist und nunmehr Privatdetektiv, soll Bambis Verbleib klären. Doch bald taucht nicht nur Bambis Leiche auf, immer tiefer verstrickt sich Sören Petersen in einen Sumpf aus sexuellen Abgründen, brutalen Machtspielen und schnöden politischen Charaden.

Roland Gramling hat einen atemberaubenden Thriller geschrieben, der nicht nur durch detailreiche Kenntnis sowohl des schwulen Kiez als auch der politischen Klasse Berlin glänzt. Im Grunde nimmt Roland Gramling sogar die politische Situation Deutschlands 2021 wie Österreichs kurz zuvor vorweg, der schwule Politiker der zweiten Reihe hofft auf die Wahlniederlage seiner Partei, um sie dann als Retter aus der Not zu neuen Höhenflügen zu führen. Im Grunde gibt es keinen einzigen echten Sympathieträger über die mehr als 500 Seiten und doch ist die schwule Szene so liebevoll geschildert, dass man nur denken kann: „You are at home, baby!“ Dabei bleiben die Ermittlungen spannend bis zum Schluss, erst etwa 30 Seiten vor Schluss deutet sich die Lösung an, auf die sicherlich keiner beim Lesen kommt, obwohl sie auf der Hand liegt. Einer der, wenn nicht der beste schwule Krimi je.

TOTE JAGEN NICHT (2023)

Ein Heckenschütze versetzt die Bewohner der Stadt Brandenburg an der Havel in Angst. Scheinbar wahllos richtet der Sniper aus dem Hinterhalt unschuldige Passanten hin. Dank eines Augenzeugen vermutet die leitende Ermittlerin Claudia Schiller eine Verbindung zu einem alten, ungelösten Fall in Berlin. Sie sucht daher ihren ehemaligen Kollegen Sören Petersen auf und bittet ihn um Hilfe. Petersen, der seine Karriere in der Mordkommission längst an den Nagel gehängt hat und inzwischen als Privatdetektiv arbeitet, willigt ein, die Kommissarin zu unterstützen. Die Ermittlungen entpuppen sich schnell als ein Stich ins Wespennest. Von der ehrgeizigen Staatsanwältin bis zur dubiosen Anführerin einer Sekte scheinen alle Beteiligten ihre eigene, verdeckte Agenda zu verfolgen. Und dann ist da auch noch der schweigsame Noah Mahlow, der als Einziger einen Mordanschlag des Heckenschützen überlebte.

Sören Petersens ersten Fall „Tote foltern nicht“ halte ich nach wie vor für den besten schwulen Krimi, je!? Sein neuer Fall „Tote jagen nicht“ ist der beste schwule Thriller, je. Diesmal geht es ins Berliner Umland, wo ein Heckenschütze scheinbar wahllos Passanten erschießt. Eine Zeugenaussage bringt Kommissarin Schiller darauf, dass es eine Verbindung zu einem alten Fall gibt, in dem sie mit ihrem damaligen Kollegen Sören Petersen erfolglos ermittelte. Und so wird Sören als Externer für diesen Fall hinzuzugezogen und natürlich ist der voll in seinem Element. Noch dazu, als alte (eher unangenehme) Bekannte wie Constanze Stark auftauchen und sich Sören in das einzige Anschlagopfer verliebt, das überlebt hat: den schnuckeligen, anschmiegsamen, wenngleich auch etwas merkwürdigen Noah Mahlow.

Roland Gramling schafft es auch diesmal über 600 (!) Seiten die Spannung aufrecht zu erhalten, auch wenn man als Leser diesmal bald den Täter kennt. Es ist die gekonnte Mischung aus Ermittlungen, die ins Leere laufen, präziser Milieuschilderung, diesmal nicht nur der Lobby-Szene Berlins, sondern auch der mafiöser Banden, fundamentalistischer Religion und Seilschaften aus der untergegangenen DDR, und natürlich den vereinnahmenden Figuren. Mara Bella ist sicher das prominenteste Beispiel, selbst wenn die Ermittlungen nicht so spannend wären, „Tote jagen nicht“ schlüge einen allein dadurch in den Bann, dass man nur immer mehr davon lesen möchte und am besten selbst einmal „Täubchen“ genannt werden würde. Schwules Urgefühl trifft knallharte Erzählkunst. (vgs)

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