Globaler Alarm: Bedrohung und Unterdrückung von LGBT+-Rechten nehmen weltweit zu

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Im neuen Jahr wird alles besser – mit diesen Gedanken sind wir noch hoffnungsvoll im Januar ins neue Jahr gestartet und müssen jetzt erkennen, besser wird es nicht unbedingt. Im aktuellen Jahresbericht der ILGA World beispielsweise zeigte sich, dass 63 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen bis heute Schwule kriminalisieren. 63! Das sind knapp ein Drittel aller Länder, die zur UN dazugehören.

Dem noch nicht genug, zeigt der Bericht „Our Identities Under Arrest“ auch eindrucksvoll auf, dass selbst in vermeintlich sicheren Ländern die Lage für Homosexuelle schnell ins Negative kippen kann. „In Ländern, die weithin als ´sicher´ oder ´ruhig´ gelten, ist es relativ kurzfristig zu plötzlichen Veränderungen gekommen. Wachsende Hassreden gegen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt – sei es von politischen Persönlichkeiten oder religiösen und kommunalen Führern, auch mit der Komplizenschaft der Medien – verwandeln sich regelmäßig in Razzien oder organisierte Kampagnen, deren Dauer, Ausmaß und Gewalt nicht vorhersehbar sind“, so Kellyn Botha, Forschungsberaterin bei ILGA World und Autorin des Berichts. Besonders im Fokus der Angriffe sind dabei schwule Männer – oder vermeintlich Schwule, denn oftmals reicht schon ein Anfangsverdacht oder ein „unpassendes“ Äußeres aus, um ins Visier der Angriffe zu geraten.

Zudem nehmen die Attacken selbst sowohl seitens der jeweiligen Regierungen wie auch der Gesellschaft oftmals an Härte und Radikalität zu, es wird wieder in immer mehr Ländern absolut gesellschaftsfähig, Schwule zu jagen, sie zu schlagen oder sie direkt umzubringen – in vielen Ländern sieht die Polizei mal mehr oder minder auch direkt weg. „Es gibt eine überwältigende Anzahl von Dokumenten, die belegen, dass die Polizei verprügelt, erniedrigt, gefoltert, vergewaltigt, Bestechungsgelder erpresst oder auf andere Weise LGBT- und geschlechtsspezifische Menschen misshandelt, die sie festgenommen oder inhaftiert hat. Viele Opfer solcher Übergriffe erstatten keine formelle Anzeige aus Angst vor erneuter Viktimisierung“, sagt ILGA-Forschungsleiter Lucas Ramón Mendos. Ein Großteil der Fälle wird also gar nicht erst publik.

Außerdem scheinen immer mehr Länder von einer Art Anti-Homosexuellen-Welle betroffen zu sein, spätestens nachdem Russland zuletzt Ende 2023 die LGBTQ-Bewegung insgesamt als „extremistisch“ eingestuft hat und jetzt alle Vertreter mit Haftstrafen von bis zu 12 Jahren ahnden kann. Zuvor hatte bereits Uganda im letzten Sommer Gesetze eingeführt, die die Todesstrafe für Homosexualität vorsehen – immer mehr Länder in Afrika folgen nun diesem Negativbeispiel, darunter Ghana, Nigeria oder Kenia. Für Schwule wird der schwarze Kontinent immer mehr zur Todeszone.

Gerade einmal drei UN-Länder haben im vergangenen Jahr homosexuelle Handlungen im Gegenzug entkriminalisiert: Singapur, die Cook-Inseln und Mauritius. Dabei zeigt sich allerdings auch, selbst in Staaten, in denen es offiziell keine Anti-Homosexuellen-Gesetze gibt, wird die Gay-Community ins Visier genommen. „Dass ein Land nicht zu den 63 UN-Mitgliedstaaten gehört, die einvernehmliche gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen ausdrücklich unter Strafe stellen, reicht einfach nicht mehr aus, um als sicherer Ort für LGBT- und geschlechtsspezifische Personen zu gelten“, so das Resümee. Das ist nun wirklich nicht nur extrem traurig, sondern irgendwie auch das Letzte! (ms)

Redaktionhttps://him-magazine.de
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