EIN FESSELNDES WOCHENENDE

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Ein Erlebnisbericht zur ropeXchange. 

Von einem Freund habe ich von der ropeXchange in Berlin erfahren. Er war bereits dabei und hatte davon geschwärmt. Da ich ja auch ein absoluter Bondage-Fan bin, aber mir viel zu selten die Zeit dafür nehme, dachte ich, dass ich mir das mal anschauen sollte. Hier möchte ich mit euch meine Erfahrungen zu diesem zweitägigen Event inklusive Kennenlernabend teilen.

Was ist die ropeXchange?

Die ropeXchange ist ein Wochenende rund um das Thema Seil-Bondage und Shibari. Es ist offen für alle Geschlechter und Orientierungen, auch wenn ein großer Anteil der Teilnehmer schwul sind. Es findet in Berlin statt, kostet zwischen 145 und 195 Euro pro Person und siedelt sich somit im unteren Preissegment an. Es wird ein außergewöhnlicher Ort gewählt, der liebevoll zu einem Bondage Studio umgebaut wird und wo mehrere Boden- und Hängefessel-Punkte installiert werden. Es werden verschiedene Workshops und Vorträge angeboten, es darf aber auch frei gefesselt und gespielt werden.

Freitag – Vorabend

Am Freitag war die Anreise und ich war sehr froh, dass man sich hier einfach mal unkompliziert treffen konnte. Als Veranstaltungsort war dabei die Gentle Lounge gewählt worden, wo ich auch bereits einige Male war. Dennoch war ich irgendwie nervös und fragte mich, wie das morgen wohl werden würde, ob die anderen Teilnehmer nett sind und was man wohl so machen würde. Aber erstmal verdrängte ich die Gedanken und nahm einen Drink an der Bar. Das Event war kinky, queer und es wurde gefesselt – ein perfekter Einstieg, um die anderen Teilnehmer kennenzulernen. Der Abend wurde genial, nur sollte er wohl nicht zu lange werden, da ich ja am nächsten Tag auch noch fit sein wollte. Also ging es um ein Uhr ins Hotelzimmer und gegen zwei konnte ich dann schlafen. Ich war immer noch neugierig, aber bei weitem nicht mehr so nervös.

Samstag – der erste Tag

Am Samstag ging es dann aufs Hausboot. Die Sonne lachte und ich hatte mir auch ordentlich Sonnenschutz mitgebracht. Und natürlich viel Seil 😉 Ich war etwas verspätet. Ich spürte eine Mischung aus Aufregung und Vorfreude. Ich hatte bereits einige Erfahrungen mit Bondage gesammelt, aber dieses Event versprach, etwas ganz Besonderes zu sein. Die Atmosphäre war herzlich und ich fühlte mich sofort wie unter Freunden (und am Ende des Wochenendes waren wir das auch, aber dazu später mehr). Mehrere bekannte Gesichter von gestern Abend beziehungsweise auch von anderen Events waren mit dabei. Einige waren bereits am Fesseln, aber die meisten erst noch am Ankommen, Reden und Kaffee beziehungsweise Tee trinken. Da gesellte ich mich schnell dazu und wurde auch vom Veranstalter persönlich begrüßt.

Im Schatten des offenen Decks des Hausbootes folgte eine kurze Vorstellungsrunde und es wurden ein wenig die Skill-Levels und die Lernerwartungen abgefragt. Ich war mit meinen mehreren Jahren Shibari-Erfahrungen zwar im oberen Bereich, aber da ich wenig geübt hatte, siedelte ich mich im guten Mittelfeld an. Es gab auch absolute Anfänger, die bisher nur ein oder zwei Mal einen Kurs besucht hatten, aber auch erfahrene Teilnehmer, die seit mehreren Jahren aktiv fesseln. Dann wurde das Programm vorgestellt. Es gab mehrere Kurse, die einzelne Themen vermittelten und zusammengenommen das Ziel hatten, eine sichere Suspension, also eine Hängefesselung zu machen. Das war für mich genau das Richtige. Alleine würde ich das wohl nicht machen, aber so war das perfekt für mich. Es konnte dabei auch jeder selbst für sich entscheiden, welche Punkte aus dem Programm er besuchen wollte, und jeder hatte auch die Möglichkeit, neue Themen oder Ideen einzubringen. Erfahrene Teilnehmer konnten auch selbst Themen anbieten. So gab es neben dem geplanten Kurs-Programm auch noch einige andere Themenschwerpunkte, wie Yoga, einige alternative Fesselungen und Fotoaktionen über die zwei Tage verteilt.

Ich folgte dem angebotenen Aufbauprogramm und wiederholte hier einige Basis-Fesselungen. Dabei wurde ich auch auf Fehler hingewiesen, die ich wohl immer übersehen habe und konnte somit schnell gute Fortschritte machen, die ich beim Wiederholen und Selbstlernen wohl nie bemerkt hätte. Auch wurde uns dann direkt gezeigt, wie man das Gelernte in der Praxis anwendet und wir hatten viel Zeit, es auszuprobieren und Rückfragen zu stellen. Auch mega spannend war der Sicherheitsworkshop, wo wir nicht nur die Theorie vermittelt bekamen, sondern wo wir in nachgestellten Situationen direkt die richtigen Handlungen einüben konnten. Allgemein wurde Sicherheit sehr großgeschrieben und wir schauten uns auch bei jeder Fesselung verschiedene Aspekte an, die eine Fesselung mehr oder weniger sicher machten.

Der Tag war immer wieder mit Pausen und Austausch unter den Teilnehmern gespickt. Manchmal zogen sich auch Teilnehmer zurück, um Fotoshootings zu machen oder Dinge zu wiederholen. Aber auch einfach, um etwas auszuspannen und zu reden. Die Location war überdies einfach ein Traum und auch ohne Workshops hätte man hier eine tolle Zeit verbracht. So war es aber natürlich einfach mega! Die freie Spielzeit auf dem offenen Deck war eine der schönsten Erfahrungen für mich. Hier konnte ich das Erlernte selbst ausprobieren und mit anderen Teilnehmern gemeinsam experimentieren. Es ist immer wieder inspirierend zu sehen, wie unterschiedliche Menschen ihre Kreativität in ihren Fesselungen ausdrücken.

Samstag – der Abend

Am frühen Abend waren wir dann doch alle erschöpft. Wir saßen gemütlich zusammen am Lagerfeuer, grillten und lernten uns noch besser kennen. Es hatten sich Freundschaften und tiefgehende Gespräche gebildet. Wir hatten eine wunderbare Zeit und genossen einen traumhaften Sonnenuntergang. Ein paar Teilnehmer machten eine kleine Show und die anderen konnten diese einfach genießen oder selbst noch etwas machen. Dabei war das aber erst der Auftakt und bereits hier wurde gefesselt und der ein oder andere durfte lernen, ohne freie Arme zu essen 😉 Und anschließend wurde es explizit und ein schönes kinky Spiel entwickelte sich zwischen verschiedenen Teilnehmern. Da konnte ich nicht nur das Gelernte endlich einmal in realistischen Bedingungen anwenden, sondern auch noch das ein oder andere Intime direkt und neu dazulernen. Und es tut gut, das angewandt zu sehen, was man den Tag über mühsam erlernt hat. Und so klang der Abend aus und ich ging doch etwas später vom Boot ins Hotel, als ursprünglich gedacht.

Sonntag – der zweite Tag

Am Sonntag war es dann doch etwas schwerer, wieder früh fit zu sein. Aber das ging wohl allen so und so war es auch nicht weiter verwunderlich, dass es erstmal Kaffee und Frühstück auf dem Boot gab und einige doch etwas später eintrafen, als geplant. Die erste Stunde wurde dann auch einfach mal gemütlich geredet und nur einzelne Leute waren bereits am Fesseln. Einer der Teilnehmer bot uns dann aber an, etwas Yoga zu machen und eine große Gruppe fand sich hierzu schlussendlich zusammen. Das war ein super Start und anschließend hatten wir auch alle wieder Energie zum Fesseln, das Gelernte zu wiederholen und neue Varianten zu lernen.

Für den Sonntag hatten sich die Veranstalter dann etwas Besonderes einfallen lassen und wir machten kleine Fessel- und Escape-Spielchen. Die „Rope Challenge“ war ein großer Spaß und es gab verschiedene Aufgaben, die jeder ganz individuell für sich und seinen Partner lösen konnte, sowie eine Gruppenaufgabe, die dann alle zusammen lösen mussten. Das war ein toll und jeder konnte hier mit seinen individuellen Skills zeigen, was er gelernt hatte. Das hat uns als Gruppe noch einmal so richtig zusammengebracht. Anschließend war dann alsbald und viel zu schnell ein fesselndes und mega schönes Wochenende mit tollen Menschen zu Ende. Wir tauschten Nummern aus und freuen uns jetzt bereits auf die nächste ropeXchange. Ich fühlte mich inspiriert, beflügelt und dankbar, dabei gewesen zu sein.

Heimreise und Fazit

Auf der Heimreise schwelgte ich lange Zeit in Erinnerungen an die schönen Momente, die ich auf dem Hausboot erlebt hatte, und ich wusste, dass ich nicht nur neue Fesseltechniken erlernt, sondern auch eine wertvolle Gemeinschaft von Gleichgesinnten gefunden hatte. Dieses Wochenende hat mir gezeigt, dass Bondage nicht nur eine Kunstform ist, sondern auch eine Möglichkeit, sich selbst und andere auf einer tiefen Ebene zu verstehen und zu verbinden. Ich freue mich schon jetzt darauf, bei der nächsten ropeXchange dabei zu sein.

Zusammengefasst muss ich sagen, dass es ein einzigartiges Bondage-Erlebnis war! Die Location war genial, in Kombination mit den vielen Bondage-Möglichkeiten etwas wirklich Einzigartiges. Die Leute und der liebevolle Umgang miteinander haben mich außerdem einfach total in den Bann gezogen. Aber auch das neu Erlernte und das gemeinsame Spiel haben mich gefesselt. Egal ob Einsteiger oder Fortgeschrittene, hier lernt jeder sehr viel. Als Experte profitiert man eher von der Location und dem Austausch mit Gleichgesinnten. Ich kann es jedem, der sich für Bondage interessiert, ans Herz legen. Lernen und Austausch, Vorführungen, kreative Fesselungen und eine herzliche Gemeinschaft erwarten dich. (dm)

ropeXchange Die ropeXchange findet regelmäßig in Berlin statt. Die nächsten Termine sind Mitte Oktober und Ende Dezember – dann in einem Knast. Alle Infos gibt es unter:  ropexchange.com

Redaktionhttps://him-magazine.de
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