TAG GEGEN HOMOPHOBIE – Wie steht es um die Gay-Community

Date:

Der Kampf gegen die Homophobie in Deutschland und in der Welt ist noch lange nicht gewonnen – daran erinnert heute einmal mehr der sogenannte IDAHOBIT, der Tag gegen Homophobie. Neuste Studien zeigten dabei auf: Die Lage ist ernst.

Zunächst sei erwähnt: Seit 2005 gibt es den Aktionstag (ursprünglich IDAHO), der zuletzt zum „Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit“ erweitert wurde. Darüber lässt sich im Grundsatz streiten, eines ist aber gewiss: Der Ursprung des Gedenktages, der sich gezielt homophobem Hass entgegenstellen sollte, wird dadurch ein wenig ad absurdum geführt: Der Hintergrund ist nämlich die Streichung der Homosexualität von der Liste der Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation – das geschah am 17. Mai 1990.

Bereits im letzten Jahr zeigten drei Studien (Gallup, Ipsos, PRRI) auf, dass die allgemeine Akzeptanz von Schwulen in der Gesellschaft erstmals wieder sinkt – besonders polarisieren dabei wohl die Forderungen und Debatten rund um immer mehr Rechte für transsexuelle Menschen. Die Gleichstellung der Ehe für Homosexuelle befürworten so inzwischen sechs Prozent weniger als noch vor zwei Jahren – aktuell gibt es allerdings mit 66 Prozent noch eine Mehrheit. Noch!

In diesen Tagen nun zeigten zwei neue Studien (ILGA Europe und Europäische Grundrechteagentur) auf, dass sich die Lage seitdem weiter verschlechtert hat, besonders dramatisch ist die Entwicklung an den Schulen: In Deutschland werden inzwischen 70 Prozent der homosexuellen Schüler gehänselt, gemobbt und angefeindet, europaweit sieht es mit 67 Prozent kaum besser aus. Vor fünf Jahren waren es gerade einmal 43 Prozent aller Schüler. Jeder dritte Schüler denkt inzwischen über Selbstmord nach, jeder vierte wurde bereits gezwungen, sich einer sogenannten Konversionstherapie zu unterziehen, bei der seine Homosexualität „geheilt“ werden soll – meist angeboten von christlichen Verbänden. Die Herangehensweise reicht von „Wegbeten“ bis hin zu Stromschlägen, Aushungern und Eisbädern. Die Hälfte der schwulen Schüler (52%) versteckt seine Sexualität, 72 Prozent von ihnen wird in der Schule mit all diesen Problemen auch komplett alleingelassen.

Zwar nahm zuletzt die Diskriminierung von Homosexuellen laut der Grundrechteagentur leicht ab, doch echter Grund zur Freude ist das noch nicht: Jeder dritte Schwule in Deutschland (38%) wird noch immer im Alltag diskriminiert, 40 Prozent gehen nicht offen mit ihrer Sexualität um und scheut auch davor zurück, in der Öffentlichkeit Händchen zu halten. Jeder Fünfte meidet aus Angst „bestimmte Orte“ in Deutschland. Belästigt und beschimpft werden 57 Prozent aller Schwulen. 90 Prozent der Fälle werden nie publik, weil die Opfer weiter aus Scham oder Angst schweigen. Bei jeden zehnten schwulen Deutschen (11%) ist die Lage so schlimm, dass er ernsthaft über Suizid nachdenkt.

Für 65 Prozent der Homosexuellen ist eindeutig, dass die Gewalt gegenüber der deutschen Gay-Community zugenommen hat, dazu kommt deutlich mehr Intoleranz (55%). Die Grundrechteagentur fordert daher eine „Kultur der Nulltoleranz gegenüber Gewalt und Belästigung.“ Die Frage ist nur, wie denn konkret? Im Ranking der LGBTQ-freundlichsten Länder in Europa ist Deutschland in diesen Tagen erstmals auf Platz 10 gekommen. Angesichts der jüngsten Entwicklungen mag die Feierlaune ausbleiben – außer für den deutschen Queerbeauftragten Sven Lehmann, der sich den Erfolg so erklärt: „Die verbesserte Stellung Deutschlands ist auf erfolgreich umgesetzte Maßnahmen aus dem Aktionsplan ´Queer leben´ zurückzuführen.“ Das überrascht ein wenig, denn nach wie vor befindet sich dieser Aktionsplan in der Planungsphase, eine Finanzierung für erste konkrete Projekte gibt es voraussichtlich erst 2025. (mm)

Redaktionhttps://him-magazine.de
Wir verstehen uns als ein ehrliches, sexpositives Magazin, das nicht fremdbestimmt Themen vorgibt, sondern mit der Community zusammen Themen anspricht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Share post:

0
Lesezeichen (VIP Leser)

Popular

das gefällt dir
WIR GLAUBEN

Tom Daley plaudert über Männer und Schwanz-Socken!

Er will es noch mal wissen! Jetzt ist es offiziell...

Ich habe den schwarzen Gürtel im Deepthroaten

Pornosuperstar Robert Royal im HIM-Exklusiv-Interview  Der Österreicher Robert  Royal startete...

Keine einfachen Parolen bitte! Queere Politik ist für US-Schwule nicht wichtig

Queere Politik in den USA: Weniger wichtig für Schwule.

PORNO-OSCARS: Ein junger Spanier ist Rekordhalter

Ende dieses Monats ist es wieder soweit – in...

Anmeldung zum Newsletter

Verpasse keine neuen Beiträge mehr. Mit unserem wöchentlichen Newsletter halten wir dich auf dem laufenden. 

Die Datenschutzerklärung habe ich gelesen und akzeptiert.

Sie haben Post!

Bitte bestätige deine Mailadresse und klicke auf den Link in der Mail.

 

Bitte prüfe auch deinen SPAM-Ordner!

*Die Datenschutzbestimmungen habe ich gelesen und akzeptiert.

Verified by MonsterInsights