Schwul in Deutschland

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Wie lebt es sich als schwuler Mann in der Bundesrepublik?

Über das Leben von schwulen Männern in Deutschland kursieren sehr viele Zahlen – unter anderem zeigte sich in den letzten Jahren, dass sich immer mehr Jungs und Kerle als homosexuell bezeichnen, je jünger sie sind. Bei der jüngsten Generation Z definieren sich inzwischen über 22 Prozent als Mitglied von LGBTQ, im gesamten Durchschnitt sind es inzwischen rund 11 Prozent der deutschen Bevölkerung (Quelle OECD). Damit ist Deutschland einer der Spitzenreiter in ganz Europa! In nüchternen Zahlen sind das rund 9,3 Millionen Menschen, der allergrößte Teil (8 %) davon homosexuell oder bisexuell.  Gut für uns, denn bei größerer Auswahl findet sich vielleicht auch der Traumprinz leichter, oder?

Die andere Frage ist jene nach unserer Lebensqualität und da zeigten Studien zuletzt eher ein durchwachsenes Bild: Die Rate der Hassverbrechen gegen Schwule ist binnen eines Jahres um rund 50 Prozent angestiegen (Quelle Bundesinnenministerium), ebenso war ein starker Anstieg von fast 70 Prozent im Bereich der psychischen Probleme und Depressionen zu verzeichnen – vor allem in der jungen Generation, die sich als schwule junge Menschen dank Corona und Lockdowns zusätzlich isoliert und vereinsamt gefühlt haben mussten (Quelle anyway Köln). Bleibt zu hoffen, dass sich die Zahlen dank zahlreicher Angebote aus dem therapeutischen Bereich wieder bessern, vielleicht hilft es ja auch bereits, dass Covid offenbar in diesem Frühling und Sommer keine zu große Rolle mehr spielen dürfte.

Doch wie lebt es sich eigentlich als schwuler Mann in den einzelnen Bundesländern und gibt es hier Unterschiede? Ja, die gibt es! Zum ersten Mal hat sich die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) mit dem Thema LGBTQ in der Bundesrepublik befasst – auf rund 160 Seiten haben die Fachleute die schwule Lage der Nation genau unter die Lupe genommen. Im Kern ging es dabei um die rechtlichen und politischen Fortschritte der Gay-Community, dabei wurden Aspekte wie die allgemeine Lebenssituation von Homosexuellen, Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen, die geistige und körperliche Gesundheit sowie das Wohlbefinden untersucht. In allen Bereichen zeigten sich dabei auch von Bundesland zu Bundesland deutliche Unterschiede.

Blickt man zum Beispiel auf die Frage, wie engagiert ein nationaler Aktionsplan und damit Gleichberechtigung für Schwule und LGBTQ-Menschen umgesetzt wird, dann führen das Ranking eindeutig Baden-Württemberg, Berlin, Bremen und Nordrein-Westfalen an. Schlusslichter sind das Saarland, Niedersachen und Mecklenburg-Vorpommern. Anders dagegen sieht es bei der Frage aus, ob die Einwohner eines Bundeslandes generell ein Problem mit Homosexuellen haben. Die gute Nachricht zuerst: Im Durchschnitt hat eine deutliche Mehrheit von zwei Dritteln aller Bundesbürger keinerlei Bedenken mehr – damit liegt Deutschland auch weitestgehend im europäischen Durchschnitt, in sieben Ländern gibt es allerdings noch bessere Werte: Niederlande, Schweden, Großbritannien, Spanien, Frankreich, Dänemark und Belgien. In Deutschland selbst zeigen sich Berlin, Bremen und Schleswig-Holstein am schwulenfreundlichsten, Schlusslichter hier sind dagegen das Saarland und Sachsen-Anhalt. Dabei gibt es allerdings durchaus noch Unterschiede, blickt man hier weiter ins Detail: Küssen sich zwei schwule Jungs in der Öffentlichkeit, können das noch immer mehr verkraften, als wenn ein schwules oder lesbisches Paar ein Kind aufzieht. Insgesamt sagen aber inzwischen rund 64 Prozent der Deutschen, dass sie mit homosexuellen Menschen klarkommen.

Positive Nachrichten gibt es auch beim Coming Out, inzwischen geben 59 Prozent der Bundesbürger an, kein Problem mehr damit zu haben, wenn ihr Sohn oder ihre Tochter homosexuell ist. Trotzdem fühlt sich bis heute mehr als jeder zweite LGBTQ-Mensch (58 %) noch immer diskriminiert, rund einer von drei hat sogar innerhalb der letzten fünf Jahre physische oder sexuelle Gewalt erlebt. Das macht natürlich etwas mit der allgemeinen Zufriedenheit in puncto Lebensqualität – bei Schwulen liegt diese im Schnitt um rund zehn Prozent unter dem landesweiten Durchschnitt bei der allgemeinen Bevölkerung. Es gibt also noch einiges zu tun, damit wir wirklich im besten Sinne gleichberechtigt und akzeptiert in der Bundesrepublik vertreten sind – die Wegrichtung stimmt aber offenbar definitiv, wie die Studien eindrucksvoll belegen. (jh)

Bitte Studien / Aussagen in Bilder einbauen:

Ein schwuler Kuss in der Öffentlichkeit? Welche Deutschen aus welchem Bundesland gehen damit am besten um?

Das Ranking:

  • Bremen
  • Berlin
  • Schleswig-Holstein
  • Saarland
  • Hamburg
  • Niedersachen
  • Nordrhein-Westfalen
  • Bayern
  • Baden-Württemberg
  • Thüringen
  • Brandenburg
  • Rheinland-Pfalz
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Hessen
  • Sachsen-Anhalt
  • Sachsen

Starker Einsatz für Gleichberechtigung? Welche Bundesländer setzen sich besonders dafür ein?

Das Ranking:

  • Baden-Württemberg
  • Berlin
  • Bremen
  • Nordrhein-Westfalen
  • Sachsen-Anhalt
  • Brandenburg
  • Hessen
  • Sachsen
  • Hamburg
  • Schleswig-Holstein
  • Thüringen
  • Bayern
  • Rheinland-Pfalz
  • Saarland
  • Niedersachsen
  • Mecklenburg-Vorpommern

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