NINA QUEER

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ICH HABE KEINE ZEIT FÜR TROTTEL

Nina Queer über Schwänze, die queere Bubble und den besonderen Einsatz von Sperma!

Nina Queer ist nicht nur die erfolgreichste Party-Machern in Deutschland und Liebling von vielen hunderttausenden Schwulen – ach, was, von Millionen natürlich –, sondern auch eine irre erfolgreiche Bestsellerautorin, Podcasterin, Schauspielerin, DJane und kurz gesagt Bühnensau und TV-Entertainerin. Noch was? Aber ja, sie ist einfach verdammt clever, schlicht wunderbar und man sollte sie nicht nur mit deutlich mehr Preisen überhäufen, sondern bestenfalls direkt zur Bundespräsidentin machen – auch wenn das im Grunde natürlich weit unter ihrer Würde ist, denn in so eine billige Absteige wie das Berliner Schloss Bellevue zieht Nina ganz bestimmt nicht. Dafür redet sie über die wirklich wichtigen Dinge im Leben – mit dem HIM MAGAZINE natürlich.   

Nina, wir wollen heute Tacheles mit dir reden, also steigen wir gleich ein: Man sagt dir nach, Du hattest schon viele tausend Männerschwänze vor dir – wie viele waren es denn bis heute genau? Und wie muss er sein, der Traumschwanz oder der Traumsex der Nina Queer?

Ich hatte sie nicht vor mir, sondern in mir. Das ist aber nebensächlich. Ja, es waren in über 20 Jahren Tausende. Aber das ist mir heute nicht mehr wichtig. Ich bin fast 40 und ich weiß immer noch nicht, was ich will. Was man in diesem Alter aber sicher weiß ist, was man NICHT mehr will. Zumindest, wenn man einigermaßen bei Trost ist. Ich bin einfach nicht mehr diese unzufriedene Hure von einst, die ihr mangelndes Selbstbewusstsein mit Unmengen von Männern ausgeglichen hat und dies mit Beliebtheit verwechselte. Wenn ich nicht auf der Bühne stehe, lebe ich komplett ins Private zurückgezogen. Gebe mich dort den ganzen Tag neuen Projekten und meiner Kunst hin. Gerade habe ich drei neue Hunde aus dem Tierheim adoptiert. Das gibt mir einfach alles. Ich meide rote Teppiche, Fotografen und lehne gemeinsam mit meiner lieben Agentin Kate eine TV-Anfrage nach der anderen ab. Nicht, weil ich nicht mehr ins Fernsehen will. Die Angebote sind einfach die falschen. Es sind widerwärtige Reality-Formate, an denen nur noch kriminelle, asoziale Elemente  teilnehmen. Auch das ist nicht mehr meine Welt. Es gibt Kreise von Menschen, mit denen ich nichts mehr zu tun haben will. Ich nenne sie Energie-Vampire. Wenn ich mit jemandem schlafe, muss er absolut besonders und herausragend sein. Ich lege heute in meinem gesamten Leben Wert auf Qualität und nicht mehr auf Quantität. Kurz: Ich habe einfach keine Zeit für Trottel. 

Nina Queer ist wunderbar laut und haut auf den Putz, aber geht sie dir privat als Daniel manchmal auf die Nerven? Was machst Du dann?

Oh. Nina Queer ist ein Tiger mit gezogenen Zähnen. Der unglaubliche Erfolg und damit verbundene Druck, hat sie gefällig werden lassen. Trotzdem skandalös und reizend. Nina ist das Kunstwerk meines Lebens und ich erschaffe es immer wieder neu. Momentan ist sie die größte und erfolgreichste Party-Ikone, die Deutschland je hervorgebracht hat. Ihre drei Podcasts werden von Hunderttausenden gehört. Nina ist gerade eine liebevolle Diva und kesse Geschäftsfrau. Was nicht bedeutet, dass sie nicht in der Lage wäre, schon morgen einen Weltenbrand zu verursachen. Wir kennen Nina doch alle: Sie joggt nicht, sie läuft Amok.

Nina, Du bist die Hohepriesterin der lustvollen Sünde! Welche Sünde würdest Du unseren Lesern dringend raten?

Nun… da ich drei Bücher geschrieben habe, in denen es um Sex geht, bin ich da wohl die richtige Ansprechpartnerin. Wenn es um Sex geht, sollte es keine Tabus geben. Es sollte aber auch niemand verletzt werden und zu Schaden kommen. Es sei denn, die Person hat ausdrücklich danach verlangt, weil es sie geil macht. Das bildet die Ausnahme. Ich hatte mich ja vor Jahren einmal kurzfristig auf einen attraktiven Kannibalen eingelassen. Jetzt fehlt mir die Spitze vom kleinen, rechten Zeh und es war eine Erfahrung. Was jedoch eine Sünde sein soll? Keine Ahnung. Das überschreitet meine berufliche Kompetenz und ihr solltet Gott dazu befragen.

Du kritisierst in deinen Büchern und Kolumnen auch gerne einmal den queeren Aktivismus. Jeder scheint inzwischen transphob, menschenfeindlich und rechtsradikal zu sein, der nicht vorbehaltlos alles toll findet, was aus der queeren Bubble kommt. Wie blickst Du heute auf diese Entwicklung?

Queerer Aktivismus ist mir zu radikal. In der Kunst kann „radikal” gut sein. Nicht jedoch in der Politik. Wir waren vor 20 Jahren schon so weit, dass Homos und Heteros aller Nationen miteinander gefeiert haben. Niemand hat jemals nach irgendwas gefragt. Es war egal. Es wurde hingenommen. Akzeptiert und toleriert. Wir waren glücklich und experimentell miteinander. Ich bin so dankbar, in dieser Zeit mitgewirkt zu haben und trage den Spirit daraus bis heute auf meinen Veranstaltungen mit. Aber, was ist davon übriggeblieben und wer ist verantwortlich für den Scheißhaufen, der heute vor uns liegt? Alles, was wir mit Liebe aufgebaut haben, wurde mit Hass und Intoleranz wieder zerstört. Leider zu oft von unserer eigenen Community. Vertreten durch politische Realitätsverweigerer und Lügner. Dazu zählen einzelne Personen, wie auch Zeitschriften wie die Siegessäule und der Tagesspiegel. Sie sind die Schlächter unserer Welt. Im Grunde lohnt es sich gar nicht mehr sich aufzuregen, da es diese Personen und Schundblätter in zwei Jahren nicht mehr geben wird. Jedoch werden sie ein Feld voll Hass, Intoleranz und Streit hinterlassen. Ihr Erbe wird sein, nie etwas Gutes getan zu haben. Menschen nie zusammengeführt, sondern sie immer nur gespalten zu haben. Warum muss jeder Mensch in eine Schublade gesteckt werden? Warum müssen wir alle gleicher Meinung sein? Da ist oft doch so viel mehr. Im Grunde ist die Szene von ihren selbsternannten Aktivisten doch angewidert. Nebenschauplätze wie das Gendern werden in den Mittelpunkt gezerrt, obwohl es viel wichtigere und essentiellere Probleme gibt. Wer sich mit Dingen wie Gendern aufhält, ist nicht fähig, die wirklichen Probleme dieser Welt anzupacken. Es ist Zeit, die Menschen zusammenzubringen, anstatt sie zu spalten. Alles, was man mir als böse und falsch auslegte, bewahrheitete sich. Schaut Euch alleine meinen Nachnamen an, den ich seit 24 Jahren trage. Ich war schon immer Visionärin. Jetzt bin ich eine Heldin wider Willen. Ich will nicht Teil dieser Bubble sein. Das ist mir doch nicht genug. Ich will Teil der gesamten Welt sein. Jedenfalls gehe ich mit gutem Beispiel voran: Ich bringe Woche für Woche Menschen zusammen. Auf meinen Partys und Veranstaltungen und das auch noch im echten Leben, anstatt sie online aufeinander aufzuhetzen. So viel Liebe, Frieden und schöne Momente, wie ich in den letzten Jahren gestiftet und verursacht habe, kann ja leider niemand mehr aufholen. Das macht mich zurecht stolz und zu einer Ikone und man sollte mich mit allen, in Deutschland verfügbaren Preisen, zuscheißen! 

 Da stimmen wir dir natürlich absolut zu! Das klingt aber auch danach, dass dir die Community an manchen Tagen so richtig auf die Nerven geht!

Auf die Dummen und Pseudopolitischen, also die Verlogenen, kann ich verzichten. Sie sind mir egal. Jedoch werde ich immer für die Menschen kämpfen, die Hilfe brauchen, Liebe suchen und meinen Humor verstehen. 

Nina, das wird keine Beleidigung, doch auch wenn Du natürlich zeitlos gedanklich jung und agil bleiben wirst, altert ja leider auch ein Diven-Körper irgendwann einmal in ferner Zukunft. Wie blickst Du auf das eigene Alter – oder anders gefragt: Wird Nina auch mit 60 noch lustvoll an den Schwänzen hängen? 

Tatsächlich empfinde ich es als Beleidigung, mit nur 38 Jahren schon nach Rücktritt oder Pension gefragt zu werden. Ich mache diesen Job schon seit ich 15 bin und habe nicht vor, meine Karriere zu beenden. Solange ich noch kreativ bin und meine Gäste überraschen kann, werde ich es machen. Picasso malte seine besten Bilder am Ende seines Lebens. Wer stellt da Regeln auf? Doch man nur sich selbst, oder? Ich hoffe, ich kann in Würde sterben und ersticke mit 70 oder 80 an einem großen Schwanz. Ich will da sterben, wo ich mich am wohlsten fühle. Bei meinen Gästen im Club. Und ich will ein verschissenes Mausoleum. Ihr könnt ja schon mal ein Spendenkonto einrichten, denn das wird teuer.

Das sollten wir machen! Aber sag mal, Nina, so ein Toyboy fürs Alter, wäre das auch eine Idee für dich?

Es wurde immer für mich bezahlt und das behalte ich so bei. 

Du zelebrierst freudig die Lust an Sex, da sind wir ganz bei dir. Was würdest Du gerne all den prüden Menschen sagen, die immer wieder die Oberhand gewinnen? Denken wir nur an die Panik vor einem Penis bei Instagram? Oder anders gesagt: Warum haben so viele noch immer so große Angst vor einem steifen Schwanz? 

Sex ist etwas Schönes, das zu unserem Leben gehört. Wenn jemand online Probleme mit nackten Körpern hat, sollte er sich abmelden, aus dem Internet oder vom Leben, und allen anderen den Spaß nicht verderben. Ich finde, Instagram und Co sollten ohnehin nur für Personen ab 21 Jahren sein und dafür könnte man die Plattformen etwas aufregender gestalten. Ein Wunschtraum. Und fürs Protokoll: Ich hatte in meinem Leben auch schon vier steife Schwänze, vor denen ich sehr, sehr große Angst hatte. 

Nina, drei Dinge, ohne die Du nicht das Haus verlässt?

Da bin ich so spießig wie jeder andere Berliner auch: Heroin, ein Stichmesser und eine geladene Schusswaffe.

Was sollten wir zum Thema Sperma endlich noch wissen?

Ich verwende es nur noch zum Malen.

Dein wildestes Sexerlebnis bis heute, liebe Nina?

Ich hatte an Silvester 2011 Sex mit zwei heterosexuellen Nachbarn von meiner damaligen Bar. Der Stuhl brach durch und ich mir drei Rippen. Mein Ägyptenurlaub danach war die Hölle. Es war wirklich wild aber auch wahnsinnig schmerzhaft. 

Gibt es noch sexuelle oder anderweitige Wünsche, die Du dir noch erfüllen willst? Reich und berühmt und wunderschön bist Du ja bereits, was kommt da noch?

Das Einzige, was ich mir wünsche, ist Ruhe. In meinem Leben passiert immer etwas und immer ruft jemand an, will essen gehen oder über neue Projekte reden. Ich bin quasi niemals alleine. Deshalb ist Einsamkeit das, wonach ich mich am meisten sehe. 

Nina, welches Geheimnis dürfen deine Fans keineswegs von dir erfahren?

Ich habe keine Geheimnisse, sondern drei Podcasts und drei Bücher. 

Welche Speise oder Körperflüssigkeit hat Nina Queer am liebsten auf den Lippen? 

Ist das eine Frage nach meinem Lieblingsessen? Dann würde ich sagen, Kartoffeln mit Salz und Buttermilch. 

Dein Spruch der Weisheit für alle sexgeilen schwulen Jungs? 

Rennt nichts hinterher, was ihr am Ende ohnedies nicht bekommt.

Nina, wir danken dir! (ms)

ninaqueer.com

Redaktionhttps://him-magazine.de
Wir verstehen uns als ein ehrliches, sexpositives Magazin, das nicht fremdbestimmt Themen vorgibt, sondern mit der Community zusammen Themen anspricht.

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