Jeder von uns wurde nackt geboren. Der Rest ist Kultur.

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Die wunderbaren Bilder von Bastiaan Mol

Bastiaan Mol aus Rotterdam liebt die Kunst, nackte Körper und diesen besonderen Blick auf die natürliche Schönheit der Dinge. Zeit seines Lebens hat ihn die Liebe zur Malerei nicht losgelassen, anfangs noch als Job nebenbei, malt er inzwischen nach einer Ausbildung an der Akademie für angewandte Kunst in Antwerpen hauptberuflich atemberaubend schöne Bilder von Männern, die sich für lange Zeit in unser Gedächtnis schleichen. Herzlich willkommen im Leben von Bastiaan Mol!

Bastiaan, dein ganzes Leben ist geprägt von der Liebe zur Malerei. Kannst du dir selbst diese große Leidenschaft erklären?

Ich habe nie wirklich darüber nachgedacht, was mich zum Zeichnen gebracht hat. Ich habe schon immer gezeichnet, seitdem ich denken kann. Meine Eltern mussten mir einen Skizzenblock nach dem anderen kaufen, weil ich ansonsten alles Mögliche dafür benutzte. Zeichnen war für mich immer Ausdruck meiner Fantasie. Ich bin auch heute noch am glücklichsten, wenn ich alleine in meinem Zimmer bin und mich darauf konzentrieren darf, etwas Neues zu erschaffen.

Du greifst in deinen Werken unterschiedliche Thematiken auf, auch den männlichen Körper. Was fasziniert dich so daran?

Ich interessiere mich generell für Menschen, aber Männer stehen schon im Zentrum meines Interesses, sie sind mein Objekt der Begierde. Natürlich liegt Schönheit immer im Auge des Betrachters. Ich male, was mir selbst gefällt, und ich versuche es auf sehr ästhetische Weise festzuhalten. Schon als Kind habe ich mir viele Gedanken über die anderen Jungs in der Schule gemacht, besonders die sportlichen und muskulösen Jungs mit blonden Haaren waren für mich wie Engel. Ich fand diese Gefühle auch niemals seltsam, aber als Kind redet man nicht darüber oder denkt über Sex nach. Diese Jungs waren für mich einfach wie Magneten ohne irgendwelche Hintergedanken.

Seit einigen Jahren arbeitest du hauptberuflich als Künstler. Wie sieht dein Leben seitdem aus?   

Ich male wirklich jeden Tag und ich liebe es. Ich hoffe, ich werde es bis zu meinem letzten Tag machen dürfen. Ich habe immer Ideen für neue Werke, eine Blockade im Kopf, wie manche Schriftsteller es haben, kenne ich nicht. Ich versuche immer, besser zu werden und fordere mich auch gerne selbst heraus. Ich will nicht mit meinen Gemälden berühmt werden. Auch Museen sind für mich nicht so wichtig, ich freue mich viel mehr, wenn ein Bild von mir bei einer Privatperson zu Hause hängt, die es wirklich zu schätzen weiß. Meine Freunde sind sogar die treibende Kraft dahinter, dass ich überhaupt meine Werke veröffentliche. Reich wird man damit aber nicht. Künstler sind selten reich und ich bin auch nur ein armer Zeichner. Allein davon könnte ich nicht leben, aber mein Mann und ich haben zusammen ein gutes Leben.

Musik spielt für dich eine zentrale Rolle, wenn du deine Werke malst.  

Ja, Musik ist für mich sehr inspirierend. Sie beflügelt seit meiner Kindheit meine Fantasie, das hat wahrscheinlich mit meiner romantischen Ader zu tun. Vor allem Frauen haben es mir angetan wie zum Beispiel Eartha Kitt, Zarah Leander, Hildegard Knef, Edith Piaf oder Josephine Baker. Ich habe auch ein unvollendetes Porträt von Hildegard Knef gezeichnet. Sie hat es gesehen und mir gesagt, ich solle nichts daran ändern. Ihr gefiel es so, wie es war, und sie hat es signiert.

Du malst sehr erotische Bilder und liebst es, die Imagination des Betrachters zu befeuern. Einfach nur nackte Tatsachen sind dir zu stillos.

Ja, das stimmt. Porno wird ziemlich schnell auch langweilig. Ich habe nichts dagegen, wenn andere Künstler pornografische Werke zeichnen. Aber für mich ist es einfach nicht interessant, ein Bild anzusehen, nur um einen großen Penis zu betrachten. Nacktheit nur um der Nacktheit willen ist nicht mein Ding. Ich bevorzuge es, sinnliche oder erotische Bilder zu zeichnen, und zwar so, dass die Betrachter dazu aufgefordert werden, über die Aussage nachzudenken. Die Leute sollen ihre eigene Geschichte in ihrem Kopf erleben, wenn sie meine Werke betrachten.

Du erlebst gerade online dabei aber trotzdem viel Prüderie.

Wir leben schon in einer sehr prüden Zeit. Das geht soweit, dass selbst Jungs in Sportclubs ihre Unterhosen anbehalten, um nicht nackt duschen zu müssen. Genauso verrückt verhält es sich online, wo jede Form von Nacktheit verboten wird, selbst die Kunst. Ich wurde schon einige Male von Facebook deswegen gesperrt. Es ist für mich wirklich schwer, damit klarzukommen, denn ich habe das so noch nie zuvor erlebt. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der die Menschen immer freizügiger wurden, wenn es um Sex oder Nacktheit ging. Ich verstehe einfach nicht, was so falsch sein soll an einem nackten Körper. Nackt zu sein hat erst einmal nichts zu tun mit Sex oder Porno. Aber genau das wollen uns die Leute glauben machen lassen. Wir machen gerade einen großen Schritt zurück in die Vergangenheit und das ist nicht gut. Den Menschen wird beigebracht, sich für ihren Körper zu schämen und eingetrichtert, Sex und Nacktheit seien etwas Dreckiges. Und natürlich spielen die verschiedenen Religionen eine große Rolle dabei. Ich will gar nicht zu sehr ins Detail gehen, aber die Religionen haben im Namen ihrer Götter schon viel Böses getan. Gerade auch in Anbetracht von Homosexuellen. Du darfst einfach anderen Menschen nicht vorschreiben, wie sie zu leben oder was sie zu glauben haben. Du beraubst die Menschen damit ihrer Freiheit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen! Kurzum, Nacktheit ist für mich etwas ganz Natürliches. Jeder von uns wurde nackt geboren. Der Rest ist Kultur.

Wie sieht deine Vorgehensweise bei einem neuen Bild aus?

Um ehrlich zu sein, ich habe nie große Pläne, sondern ich fange einfach an. Jeder Künstler malt das, was ihn interessiert. Ich bevorzuge bestimmte Blicke bei Männern. Und ich arbeite sehr gerne alleine ohne Models. Ich verwende stattdessen Skizzen und Fotos von Männern, die ich zuvor angefertigt habe. Das dient aber nur als Vorlage, ich ändere immer sehr viel in meinen Zeichnungen. Alles entsteht spontan, während ich daran arbeite.

Welche Teile des männlichen Körpers findest du besonders spannend?

Der Hals und die Stelle zwischen den Schultern. Ich liebe es, wenn der Körper leicht muskulös ist und trotzdem noch etwas Körperfett aufweist, sodass sich die Haut und die Muskeln so weich anfühlen wie ein Kissen. Ich bin auch kein großer Fan von Körperbehaarung und ich mag kleine Hinterteile sehr gerne. Auch ein eckiger Kiefer ist für mich klassisch sehr schön. Einige Kerle sind schon wirklich beschenkt worden von der Natur.

Du hast mir erzählt, dass es immer noch sehr schwer ist, eine Kunstgalerie davon zu überzeugen, Zeichnungen von nackten Männern auszustellen. Warum ist das so?

Viele Galeristen sind männlich und heterosexuell. Sie haben kein Problem mit Gemälden attraktiver nackter Frauen, aber sie wollen keine Schwänze in ihrer Galerie sehen, weil das nicht ihre Sache ist. Sie scheinen nur das verkaufen zu wollen, was sie selbst bevorzugen, und vergessen dabei, dass auch Schwule und heterosexuelle Frauen diese Art von Kunst kaufen würden. Meine Arbeiten sind in der holländischen Galerie Mooiman erhältlich, einer der wenigen rein männlichen Kunstgalerien der Welt, die ausschließlich Kunst mit dem erotischen Mann als Thema verkaufen, und sie verkaufen weltweit.

Schwule sind eine Minderheit und viele Galeristen denken, das verkauft sich daher nicht. Sie sagen, die meisten Kunsthändler seien heterosexuelle Männer, die daran kein Interesse haben. Ich will das einfach nicht glauben, denn ich denke, ein schönes Gemälde bleibt schön, egal was es zeigt. Doch diese festgefahrene Meinung in der Welt zu ändern, wird schwer, solange uns die Religionen immer wieder eintrichtern, wie falsch Nacktheit ist. Religiöse Menschen enden in der Regel doch stets als frustrierte Personen, die heimlich das tun, wonach sie sich sehnen. Wir brauchen ein neues Jahrhundert der Gedankenfreiheit, in dem uns niemand vorschreibt, was wir betrachten dürfen und was nicht. Das ist wichtig, nicht nur für die schwule Gemeinschaft, sondern für uns alle!   

Ein Fehler ist auch, dass die Leute nur auf das Bild schauen, auf das, was es zeigt, und nicht auf seine Kunst. Sie scrollen vorbei, ohne ein wenig weiter als nur das Bild zu betrachten. Das merke ich auch, wenn ich meine Arbeiten im Internet, auf Instagram oder Facebook zeige. Wenn mein Bild Nacktheit zeigt, bekommt es viel mehr Likes als wenn ich nur das Gesicht zeige, oder einen bedeckten Akt, auch wenn das Gesicht vielleicht viel schöner gemalt wurde als der Akt. Ich denke, das ist ein bisschen einfältig, ohne auf die Details und den Ausdruck in einem Gemälde zu achten. Es gibt viele Arten von Menschen auf dieser Welt, und diejenigen, die mir als Künstler folgen, folgen mir offensichtlich, weil ich sinnliche Männer male. Aber wenn ich mir meine Bilder genauer betrachte, ist dort zwar oft Nacktheit zu sehen, nicht wirklich aber sexuelle Nacktheit. Was ich bei meinen Modellen suche, ist Reinheit, Schüchternheit, Verspieltheit, manchmal sogar Unschuld. Es kann all das sein, denn das ist es auch, was ich an Jungen und Männern attraktiv finde. (ms)

Instagam @bastiaan_mol.art 

bastiaanmol-art.com und bastiaanmol.com

Redaktionhttps://him-magazine.de
Wir verstehen uns als ein ehrliches, sexpositives Magazin, das nicht fremdbestimmt Themen vorgibt, sondern mit der Community zusammen Themen anspricht.

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