DER RISS IN DER COMMUNITY: Mythos, Verschwörungswahn oder Wirklichkeit?

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Es gibt keine Trennung zwischen LGB und TQ* und jeder, der das behauptet, ist böse, menschen- und transfeindlich. Das sind nur Stimmen einer radikalen Minderheit in der Minderheit, einer durchgeknallten Gruppe, die sich irgendwie selbst hasst und die Community und überhaupt – so oder so ähnlich schlägt einem verbal die Abneigung entgegen, wenn man laut den Verdacht äußert, dass Schwule, Lesben und Bisexuelle vielleicht gar nicht mehr so viel gemein haben mit Trans-, nicht-binären und queeren Menschen. Vereine, die standhaft schwul-lesbische Belange in den Fokus stellen, werden stante pede versucht als rechtsradikal, menschenverachtend oder generell abartig böse darzustellen. Warum eigentlich? Es gibt mehrere Verbände, die sich explizit nur für die Rechte von Transmenschen oder auch von nicht-binären sowie Inter-Personen einsetzen. Aber ein Verband, der Schwule oder Homosexuelle vertritt, das darf nicht sein?

Doch, natürlich, vor allem dann, wenn der Verein Schwule und Lesben nur noch im Namen oder der Begriffserklärung führt, aber inhaltlich Homosexuelle zumeist immer mehr nur noch als Randfiguren wahrnimmt. Beispiele davon gibt es genug, man muss sich nur umschauen, wer aktuell als Verein aus der Community vom Bundesfamilienministerium finanziell gefördert wird – seltsamerweise findet sich keine Gruppe darunter, die sich explizit nur für Schwule und Lesben einsetzt, sehr wohl aber Organisationen, die andere Gruppen in unserer Buchstaben-Community exklusiv vertreten. Ein falscher Eindruck? Alles Lüge? Es bleibt jedem selbst überlassen, sich einfach mal die Presseerklärungen der letzten Monate der betreffenden Vereine anzusehen. Das Traurige daran ist, dass seitens der queeren Aktivisten jeder als der Feind im eigenen Bett wahrgenommen wird, der sich nicht in allen Punkten schweigend wie eine desillusionierte alte Prostituierte verhält. Seltsamerweise erfolgt diese Extremisierung nur von Seiten der queeren Bubble. Tatsächlich schwul-lesbische Vereine betonten beinahe gebetsmühlenartig, dass sie natürlich auch für gleiche Rechte für Trans-Menschen sind, aber das eben nicht auf Kosten von Schwulen, Lesben, Frauen und Kindern. Ein Statement wie jenes, dass gerade Homosexuelle zwingend verbunden mit einer biologischen Zweigeschlechtlichkeit sind, finden wir von anderer Seite nicht. Im Gegenteil, jede Betonung auf eben nur zwei Geschlechter und mögliche Mischformen bei der Intersexualität, die kein eigenes neues Geschlecht darstellen, werden als zutiefst reaktionär und menschenverachtend gebrandmarkt. Zu meinem persönlichen Bedauern kann ich mich als mittelalte Lesbe noch an frühere Zeiten erinnern, jene, in denen auch Schwule und Lesben sicherlich nicht immer einer Meinung waren, doch es immer schafften, darüber sachlich zu diskutieren, einen Konsens herzustellen und zwar im gegenseitigen Respekt. In der heutigen Zeit scheint das gänzlich abhandengekommen sein. Die Fähigkeit zur Diskussionen, gerne auch zum streitbaren aber nie verletzenden Dialog ist gänzlich verschwunden – vielleicht einfach deswegen, weil es der Gegenseite oftmals an sachlichen, nachweisbaren Argumenten fehlt? Es wird behauptet und gefühlt, man muss es eben glauben, ähnlich einer Glaubensgemeinschaft. Oder einer Sekte.

Die Stimmung kippt gerade auch online immer mehr. Wer will, findet mit zwei Klicks hunderte, ja tausende Nachrichten beispielsweise von aufgebrachten Trans-Männern, also einstmals biologischen Frauen, die erklären, wir sehr sie schwule Männer hassen. Eine schreibt zum Beispiel: „Ich hasse homosexuelle cis Männer so sehr. Ich hasse sie mit einer brennenden verdammten Leidenschaft. Nehmt euren Schwanzfetisch von mir weg, ihr homosexuellen Dreckskerle.“ Sie ist kein Einzelfall, bei weitem nicht. Schwule sind bereits der Feind, wenn sie eine Vorliebe für Schwänze haben – bis vor wenigen Jahren war das eigentlich die grundsätzliche Charakterisierung fast aller homosexueller Männer. Schwule Männer stehen auf andere Männer, mal klein, mal groß, mal dick, mal dünn, mal glatt, mal behaart, aber zumeist ist allen zu eigen, dass sie einen Penis haben. Aus diesem simplen Fakt wird heute ein zu hassender Schwanzfetisch, weil wohl immer noch sehr wenige Schwule etwas sexuell mit einer Person anfangen können, die sich Mann nennt, aber zwischen den Beinen eine Vagina oder eine sogenannte Penoid-Plastik hat, die mit Hilfe von Haut aus dem Unterarm oder aus dem Oberschenkel zusammengebastelt wurde, einem echten Penis schon rein optisch in fast allen Fällen allerdings nicht wirklich ähnlichsieht – von der Funktionsweise mal ganz abgesehen. Wer das nicht sexuell anziehend findet als schwuler Mann, ist also ein Dreckskerl. Ähnliches Spiel erleben viele Lesben, denen sogar ihre Gleichgeschlechtlichkeit selbst abgesprochen wird, wenn sie eine „Frau mit einem Penis“ einfach nicht erotisch oder gar sexuell anziehend finden oder sich weigern, mit einer solchen Person Sex zu haben.

Wie können wir also tatsächlich eine Community sein, wenn es innerhalb dieser solche extremen Angriffe gibt, die dem Gegenüber das Existenzrecht absprechen und verlangen, die eigene Sexualität umzudefinieren, sodass sie anderen passt? Es fehlt hier an jedwedem Respekt und zwar maßgeblich von Seiten der TQ*-Menschen unter uns. Natürlich nicht allen. Aber die Radikalität nimmt zu und mir scheint, damit einhergeht auch eine besondere Form von Übergriffigkeit. Eine einstmalige Lesbe, die sich jetzt als Trans-Mann definiert, schreibt so in einem Forenblog über ihre Beziehung mit einer anderen Frau: „Ich habe meiner lesbischen Freundin gesagt, dass ich trans bin. Sie sagte, sie akzeptiere mich und sie werde mich immer lieben, egal welches Geschlecht ich habe. Einen Tag später sehe ich online, dass sie sich selbst weiter als lesbisch bezeichnet. Jetzt verstehe ich nicht, ob es ein Missverständnis gab, oder ob sie mich einfach nicht als Mann akzeptiert. Ich bin ein Trans-Mann und wir sind zusammen, warum identifiziert sie sich dann immer noch als Lesbe? Ich fühle mich nicht respektiert und wirklich dysphorisch.“ Man kann jetzt einfach darüber lachen, das war auch meine erste Reaktion. Die zweite war pures Entsetzen, denn neben der Dreistigkeit, von einer anderen Person zu verlangen, die sexuelle Orientierung zu negieren, steht da vor allem der Fakt, dass diese Person offenbar überhaupt nicht nachvollziehen kann, wie übergriffig ihre Aussage ist. Es fehlt an jedweden Grundverständnis, was Homosexualität ist. Vielleicht muss man es noch einmal in aller Klarheit sagen: Homosexualität ist nach aktuellem wissenschaftlichen Stand eine genetisch und um Mutterleib entstehende und unabänderbare Hinwendung zum gleichen Geschlecht. Es ist kein Gefühl und es obliegt keiner täglichen oder wöchentlichen Neudefinition der eigenen Identität wie bei so vielen queeren Menschen. Also ja, da gibt es ganz offensichtlich einen Unterschied zwischen LGB und TQ*. Vielleicht sei noch erwähnt, auch diese Aussage ist inhaltlich kein Einzelfall.

Es bleibt am Ende das Gefühl, dass es vielen in der queeren Bubble bereits an einem Grundverständnis für Schwule und Lesben fehlt, wie sollen wir uns dann unter einer Community wirklich verbinden? Natürlich können wir für grundsätzliche Menschenrechte gemeinsam marschieren, so wie das beispielsweise auch heterosexuelle Frauen in den letzten Jahrzehnten Seite an Seite mit der Gay-Bewegung gemacht haben. Aber wir müssen doch auch anerkennen, dass es hier grundsätzliche Differenzen gibt, die zumindest seitens von Schwulen und Lesben in der Erkenntnis münden, dass die Rechte von Homosexuellen durch die einstmals eigene Community inzwischen obsolet gemacht werden sollen. Abschließend eine Anekdote eines jener großen Vereine, finanziert vom grünen Familienministerium, die schwul und lesbisch im Namen tragen, inhaltlich aber bereits anscheinend ganz woanders hin unterwegs sind: Nachdem Russland Ende letzten Jahres die LGBT-Bewegung generell als „extremistische Gruppe“ definiert hat, begannen keine zwei Tage darauf die ersten Razzien und Verhaftungen in Schwulenclubs und Gay-Saunen in Moskau. Die ersten schwulen Männer wurden inhaftiert. Schwule. Schwule Männer! Jener Verband nun forderte kurz darauf die deutsche Bundesregierung in einer gemeinsamen Petition mit anderen Vereinen bezugnehmend auf das neue russische LGBT-Gesetz dazu auf, ein Aufnahmeprogramm zu starten. Für wen? Für Trans-Menschen. Denn das Gesetz sei nun einmal transfeindlich. Das stimmt mit Sicherheit auch, ist aber nur ein sehr kleiner Teil der Wahrheit. Der Riss zwischen LGB und TQ* ist längst da und das wissen auch queere Akteure. Ihr Wunsch scheint offenbar aber zu sein, dass der aller größte Teil unserer Community schweigt, selbst wenn es gegen die eigenen Interessen geht, denn eines können queere Aktivisten nicht wollen – eine tatsächliche Spaltung der Community. Dann würde sich schlagartig offenbaren, wie klein jener laute, radikale Teil unserer Community wirklich ist. Und viele Verbände würden sich mit der Frage konfrontiert sehen, wen sie denn nun wirklich vertreten wollen – die übergroße Mehrheit unserer Community, oder doch einzelne schreiende Akteure. (mm)

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