Als mich der Weihnachtsmann doppelt fickte… (von Nina Queer)

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Die Weihnachtszeit ist für mich die besinnlichste und schönste im Jahr. Obwohl ich zugeben muss, dass der 24. Dezember für mich nicht die Bedeutung hat, wie für viele andere Menschen.

Für mich ist das Vorspiel das Wichtigste. Da ich in der Vorweihnachtszeit immer viel arbeite und ständig unterwegs bin, schmücke ich meinen Weihnachtsbaum meistens schon Ende November, um ihn überhaupt mal zu Gesicht zu bekommen. In den wenigen Stunden, die ich zu Hause verbringe, erfreue ich mich an Hunderten von brennenden Kerzen (mittlerweile alle LED-betrieben, da ich in der Vergangenheit des Öfteren betrunken eingeschlafen war und es immer wieder zu schlimmen Bränden kam) und dem Leuchten meiner künstlichen Tanne, bei der ich es irgendwie geschafft habe, zwischen ihren Ästen zwanzig Lichterketten zu verstecken. Ich mag es amerikanisch und auf die Stromrechnung lege ich keinen Wert. Ja, je teurer der Strom wird und desto unbezahlbarer er für andere erscheint, desto geiler werde ich. Die Glühweinmaschine steht ohnehin das ganze Jahr in meiner Küche. Irgendjemand ist immer mal wieder so betrunken, dass der Automat  auch im August bei 30 Grad angeschmissen wird. Nicht selten bin ich selber so benebelt, dass man mir auch im Sommer erzählen kann, dass schon wieder Weihnachten ist und ich nach einem Glühweinrausch losziehe, um Geschenke zu kaufen. Als Prominente kann ich mich schließlich nicht um Jahreszeiten oder Temperaturen kümmern. Für den Rest sorgt meine Disco-Demenz.

An Heiligabend selber bin ich meist von Shows, Weihnachtsfeiern und Partys so ausgebrannt, dass ich nur noch alleine fernsehen und fressen will. Selbst drei Minuten Selbstbefriedigung erscheinen mir da als purer Hohn. Gerne erinnere ich mich an den 24. Dezember 2010 in Berlin zurück. Es war ein kalter Winter und es hatte Mitte Dezember ordentlich geschneit. Danach überzog eine russische Kälte die ganze Stadt und für viele Wochen gefroren Schnee und Matsch zu einer dicken Eisschicht zusammen, welche Berlin und das gesamte Umland lähmte. Für Bescherung, Geschenke oder eine Unterhaltung mit Menschen fehlte mir die Kraft und so beschloss ich, Weihnachten wieder einmal in Glückseligkeit mit mir alleine zu feiern. Ein Teil der Sissi-Trilogie, eine Ägypten-Doku, zwei Mikrowellengerichte und eine Flasche Champagner. Etwas Koks. Mehr brauchte ich nicht zum Glücklichsein.

Dazu muss man wissen, dass Berlin an Weihnachten magisch ist. All der Stress und die Hektik fallen von der Stadt ab und die Menschenmassen sind fort, um bei ihren Verwandten am Land oder in der Karibik Urlaub zu machen. Man geht also alleine durch die Straßen, bekommt überall einen Parkplatz und muss in verrückten Restaurants keine Tische reservieren. Es ist still. Nur in der Ferne ahnt man das leise Rauschen einer U-Bahn oder wird vom Blitzen einer Oberstromleitung der Tram daran erinnert, dass da doch noch irgendwo Menschen sind.

Ich kehrte an jenem Abend um etwa 19 Uhr mit meinen Hunden in mein Wohnhaus zurück und als ich den dritten Treppenabsatz erreicht hatte, sah ich doch glatt, wie der Weihnachtsmann höchstpersönlich in der Wohnung meines Nachbarn im zweiten Stock verschwand. War es denn wirklich die Möglichkeit?

Ich stieg hastig die Treppen bis in den vierten Stock vor den Eingang in meine Wohnung hoch und schielte über eine Spalte nach unten ins Treppenhaus. Und tatsächlich: Nach etwa sieben Minuten verließ der Weihnachtsmann mit einem dicken fetten Sack am Rücken die Wohnung im zweiten Stock und stiefelte nun die Treppen in den dritten Stock herauf. Meine Bescherung stand also unmittelbar bevor und so öffnete ich die Tür, startete die Glühweinmaschine und zog mir ein mutiges Weihnachtskleid über. Den Weihnachtsmann erwartet man schließlich nicht jeden Tag in seiner Wohnung und VIP-Gäste sind bei mir immer jederzeit willkommen. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis er mit den Wohnungen im dritten Stock fertig war. Ich bebte vor Aufregung und zog mir schon mal die Strümpfe aus. Mit einem kräftigen Schuss Gleitgel polierte ich mir den Weihnachtsstern.

Und dann war er da. Er betrat meine hell erleuchtete Wohnung und der Duft von billigem Glühwein und teuren Duftkerzen schwängerte die Luft. Der liebe Herr Weihnachtsmann war fast ein bisschen erschrocken darüber, mich in meiner Wohnung anzutreffen, jedoch trat er ein. Als gute Gastgeberin weiß ich natürlich genau, wie man seinem Besuch die Schüchternheit nimmt und ich tat ALLES dafür, dass sich der stattliche Mann im rot-weißen Flauschgewand bei mir wohlfühlte. Zuerst streichelte ich ihm zart über seine Rute, die daraufhin zu bersten begann. Dann polierte ich ihm die Christbaumkugeln. Am Ende gab es schrecklich viel Zuckerguss auf meine Plätzchen. Wir rauchten Marihuana und eine Schachtel Zigaretten miteinander. Nach einer „Von-außen-nach-innen-Massage“ schlummerte ich auf dem Fell eines sibirischen Tigers, den ich 1999 noch persönlich ausgerottet hatte, ein.

Am nächsten Tag wachte ich mit einem wahnsinnigen Kater auf. Der Weihnachtsmann war weg und mit ihm auch meine zwei Apple-Computer, mein neues I-Phone, mein Fernseher, Bargeld und die original Autogrammkarte von Horst Lichter.  Sogar einen meiner beiden Hunde hatte er mitgenommen. So ein Schwein. OMG! Ich wurde überfallen!! Sofort alarmierte ich die Polizei. Diese berichtete mir von einer osteuropäischen Einbrecherbande, die in meinem Bezirk ihr Unwesen trieb. Verkleidet als Weihnachtsmänner, um so Vertrauen bei gutgläubigen Menschen und notgeilen Milfs zu wecken.

Ich Dumme.

Enttäuscht war ich trotzdem nicht. Schließlich hatte mir der Weihnachtsmann die leckeren Plätzchen dagelassen und die schmeckten ganz wunderbar. Wer braucht schon Elektrogräte, Haustiere oder Geld, wenn man sich den wahren Zauber einer ganzen Weihnacht einfach in den Mund stecken kann?

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