Achtung vor Dating Apps!

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Polizei warnt vor Kriminellen in der schwulen Digitalwelt

Das Verhalten hat offenbar Methode: Kriminelle in verschiedenen Ländern haben in den letzten Monaten über schwule Dating-Apps homosexuelle Kerle, die auf der Suche nach einem erotischen Abenteuer sind, angeschrieben und mit sexy Bildern zu einem Treffen gelockt. Anderenfalls fand das Date ansonsten in der Wohnung des ahnungslosen Opfers statt. Dort wurden die Männer dann meist mit GHB (Liquid Ecstasy) oder K.o.-Tropfen außer Gefecht gesetzt und anschließend ausgeraubt. Von den Tätern fehlt zumeist jede Spur.

Zuletzt in New York und in London häuften sich die Fälle, die Kriminalbeamten konnten in Großbritannien einen vermutlichen Tatverdächtigen kurz vor seiner Ausreise am Flughafen festnehmen, weitere Kriminelle sind aber offensichtlich noch auf der Flucht. Die Ermittler gehen davon aus, dass die unbekannten männlichen Täter, die zumeist im Alter zwischen 20 und 38 Jahren sind, die Methode auch in anderen Ländern ausprobieren werden – Deutschland könnte hier erneut im Fokus solcher Angriffe liegen. Auch in der Bundesrepublik kam es in den letzten Jahren bereits immer wieder zu sehr ähnlichen Zwischenfällen, zuletzt erneut erst vor wenigen Tagen Mitte März dieses Jahres in Berlin. Dabei verabredete sich ein 27-jähriger Schwule zu einem Sextreffen via App – am vereinbarten Treffpunkt warteten jedoch drei unbekannte Männer auf ihn, schlugen ihn brutal nieder und raubten ihn aus. Mit schweren Verletzungen im Gesicht und am Oberkörper kam der junge Mann ins Krankenhaus.  

In den meisten Fällen haben es die Täter dabei nur auf die Wertgegenstände und das Bargeld abgesehen, trotzdem besteht potenziell durchaus auch Gefahr für Leib und Leben. In Berlin wurden vor rund sechs Jahren Männer durch eine Überdosierung der betäubenden Substanzen getötet. In London trieb der sogenannte “Grindr-Killer“  sein Unwesen: Der Serienmörder, der mit richtigem Namen Stephen Port heißt, verabredete sich mit schwulen Männern via Grindr, betäubte diese anschließend, raubte sie aus und ermordete sie mit einer Überdosis GHB. Zwischen 2014 und 2015 hat Port so mindestens vier Homosexuelle getötet, wobei vielerorts inzwischen davon ausgegangen wird, dass es weitere Todesopfer gab, die als einfacher „Todesfall mit Überdosis“ in die Polizeistatistik eingegangen sind. Bis heute kämpfen Hinterbliebene der vier toten schwulen Männer um eine lückenlose Aufklärung, da sich die Hinweise immer mehr verdichten, dass die Londoner Polizei aufgrund von Homophobie vielen Hinweisen gar nicht erst oder viel zu spät nachgegangen ist.

Auch in London fanden die meisten Kontakte zwischen den Kriminellen und den schwulen Männern in diesem Jahr über die Dating-App Grindr statt, potenziell bestehe aber laut der Metropolitan Police durchaus auch eine Gefahr auf anderen digitalen Portalen. Die Polizei spricht von einer ganzen Reihe von “erschreckenden Einbrüchen“ in ganz London. Wohin die Komplizen des jetzt festgenommenen mutmaßlichen Täters geflohen sind, ist zudem noch völlig unklar – wahrscheinlich blieben die weiteren Täter im europäischen Raum. Die Metropolitan Police vermutet, dass es noch weitere Opfer geben könnte, die sich noch gar nicht gemeldet haben, so Detective Superintendent Dan O’Sullivan: „Wir gehen davon aus, dass noch weitere Opfer ins Visier genommen wurden, die sich aber aus persönlichen Gründen nicht melden wollten.“

Diese „persönlichen Gründe“ sind mannigfaltig, zumeist aber schämen sich die schwulen Opfer für ihr Erlebnis und gehen deswegen gar nicht erst zur Polizei. Hinzu kommen Bedenken, wie die Polizisten überhaupt auf eine solche Tat in der schwulen Szene reagieren. Und gerade bei anonymen Dates rechnen sich viele Opfer sowieso sehr gerne Chancen aus, dass der Täter überhaupt erwischt wird. Zudem sind manche schwulen Jungs vielleicht noch gar nicht geoutet oder hatten ein geheimes Date abseits ihrer festen Beziehung. In beiden Fällen kann eine Anzeige zu weiteren Problemen führen. Die Polizei rät natürlich stets dazu, einen Überfall zu melden – im Zweifelsfall können auch Anlaufstellen wie die Schwulenberatung Berlin Tipps geben, wo sich Betroffene am besten melden können. Sinnvoll ist es definitiv, das Verbrechen auch anzuzeigen, anderenfalls kann es auch dazu führen, dass sich das furchtbare Erlebnis dauerhaft negativ in der Psyche festsetzt und das weitere Leben beeinflusst. Außerdem ist es so für die Kriminellen leichter, auch andere Schwule zu überfallen. Im besten Fall natürlich trifft man bereits vorab gewisse Vorkehrungen, damit es erst gar nicht soweit kommt, so der Rat der Profis. Mit ein paar einfachen Sicherheitsvorkehrungen lässt sich viel erreichen:

+ Check das Profil deines Dates ab. Ist es ganz neu oder hat der Kerl gar keine Freunde, ist bereits ein wenig Vorsicht geboten. Frage nach mindestens zwei unterschiedlichen Gesichtsbildern. Einige Männer schicken ungern direkt und sofort Porträtbilder, das ist durchaus in Ordnung. Verabredet ihr euch aber final zu einem Date, sollte es durchaus möglich sein, vorab Gesichtsbilder auszutauschen. 

+ Mache einen deiner besten Freunde oder deine beste Freundin zu deinem Dating-Ghost. Der unsichtbare Geist ist zwar nicht vor Ort mit dabei, aber über alles Wesentliche informiert. Schreibe deinem Kumpel alle Fakten kurz und knapp vor einem Date zusammen: Wo trefft ihr euch? Gibt es eine Adresse? Wie sieht dein Date aus? Gibt es weitere Informationen? Wie lautet sein Profilname online oder gibt es weitere Profile, beispielsweise auf Social Media? Ihr könnt euch auch gemeinsam eine Cloud anlegen und euch so gegenseitig die Kontaktdaten eurer Dates hochladen. Dann reicht eine kurze Information vor dem Date aus („Bin jetzt unterwegs, Daten in der Cloud“) und nur wenn ihr euch nicht bis zu einer gewissen Uhrzeit meldet, klickt sich euer bester Freund online in die Cloud und schaut nach. Läuft alles gut, kannst du die Daten einfach wieder löschen und dein bester Freund muss sich nicht all die Dick-Pics deiner Dates ansehen.

+ Höre auf dein Bauchgefühl! Ein wirklich wichtiger Tipp, dem oftmals nicht nachgegangen wird. Unser Unterbewusstsein ist seit der Steinzeit darauf geschult, Gefahren zu erkennen und binnen Sekunden mögliche Risiken zu erkennen. Also nicht vor lauter Geilheit alles überhören, sondern schlicht einmal auch auf das eigene Gefühl vertrauen. Fühlt sich etwas komisch an, hast du ein mulmiges Gefühl bei einem Kerl oder ist die Umgebung strange, dann beende dein Date vorzeitig. Mag im ersten Moment ein Upturner für deine Libido sein, doch was ist am Ende besser: Sich zu Hause selbst einen runterzuholen oder bewusstlos, betäubt und verletzt irgendwo herumzuliegen?

+ Trefft euch zuerst an einem öffentlichen Platz oder auf einer belebten Straße. Hier kannst du bereits vorab kurz abchecken, ob die grundsätzlichen Daten stimmen – oder auch, ob er wirklich alleine kommt und nicht „zufällig“ mit zwei guten Freunden auftaucht. Wenn du ihn zu dir nach Hause einlädst, vermeide es, ihm die exakte Adresse zu geben. Wie wäre es stattdessen mit einem Café um die Ecke? Oder einer Postfiliale? Oder auch bei einer U-Bahn-Station. Von dort kannst du ihn abholen. Hast du auch hier ein mulmiges Gefühl, kannst du beruhigt wieder nach Hause gehen und der Fremde weiß trotzdem deine exakte Adresse nicht.

+ Lass dich zu nichts überreden! Lust und willenloser Sex sind natürlich großartig, doch es ist nicht sinnvoll, sich bei einem ersten Date gleich komplett auszuliefern. Das kann man auch sehr gut noch bei einem zweiten oder dritten Date machen, wenn man gegenseitig etwas mehr Vertrauen gewonnen hat. Also, genieße dein Sex, aber behalte im Hinterkopf, dass du auch jederzeit die Möglichkeit haben solltest, die Aktion abzubrechen, wenn du nicht mehr willst. Kurzum, Fesselspiele beispielsweise beim ersten Date sind nicht sonderlich sinnvoll, vor allem, wenn du der gefesselte Part bist.

+ Keine Drogen, keine Drinks mit unbekanntem Inhalt! Ganz einfach, nimm keine Drogen von einem Fremden an, du hast keine Ahnung, was du da im Zweifelsfall zu dir nimmst und welche Wirkung das auf dich hat. Nebst den klassischen K.o.-Tropfen sind seit einigen Monaten auch vermehrt viele gepantschte Substanzen auf dem Markt, die potenziell extrem gefährlich und tödlich sein können – oftmals wissen auch die Erstkunden gar nicht, was sie da wirklich eingekauft haben. Gleiches gilt bei Drinks. Bietet dir dein Date bei sich zu Hause etwas zu trinken an, achte darauf, dass er entweder die Flasche frisch öffnet oder beispielsweise Leitungswasser verwendet, während du ein Auge darauf hast, was er tut. Bist du dir auch hier unsicher, trinke lieber nichts.

+ Wenn dein Date zu dir nach Hause kommt, räume wertvolle Gegenstände außer Sichtweite – grundsätzlich alles, das Anreize schaffen könnte oder deinem Gegenüber zeigt, dass es hier etwas zu holen gibt. Auch seinen Geldbeutel sollte man nicht frei herumliegen lassen. Gleiches gilt, wenn du unterwegs bist und dich mit deinem Date irgendwo triffst – nimm nur das Nötigste mit, sprich ein wenig Bargeld, vielleicht dein Smartphone oder deinen Haustürschlüssel. Die EC-Karte bleibt zum Beispiel zu Hause. Wichtig Tipp hier ist auch, sich einen Sicherheitskontakt (Freund, beste Freundin) auf die Kurzwahltaste zu legen, um gegebenenfalls sofort Hilfe rufen zu können, falls etwas schiefläuft.

+ Frage nach der Telefonnummer! Das ist nicht nur generell ein guter Tipp, um Faker von Kerlen mit echten Absichten zu unterscheiden, sondern gibt dir auch mehr Sicherheit, da sich diese Nummer im Zweifelsfall leichter zurückverfolgen lässt. Auch diese Telefonnummer sollte dann natürlich an deinen besten Freund weitergegeben beziehungsweise in die Cloud hochgeladen werden.

+ Lass dein Date nicht unbeaufsichtigt. Auch Gelegenheit macht Diebe! Ihr seid gerade beide lustvoll gekommen? Wunderbar. Habe Küchenrollen oder Handtücher zur Stelle oder biete ihm gegebenenfalls eine Dusche an. Keineswegs aber solltest du für eine längere Zeit selbst das Zimmer verlassen und ihm so die Möglichkeit geben, sich schnell etwas einzustecken – so eine Armbanduhr beispielsweise ist sofort eingepackt. Du selbst steigst erst unter die Dusche, wenn der fremde Mann deine Wohnung verlassen hat – oder ihr eine zweite Runde unter dem Brausekopf einlegt.

+ Natürlich sind heiße Dates an abenteuerlichen Plätzen gerade nachts spannend und können für einen zusätzlichen Kick sorgen, beispielsweise bei einem abgelegenen Parkplatz oder direkt im Wald. Trotzdem sollte man sich darauf nur einlassen, wenn man sich wirklich absolut sicher ist, anderenfalls setzt du dich einer großen Gefahr aus. Zum einen kann dir keiner zu Hilfe kommen, wenn der Typ dich ausrauben will oder er sich auch einfach nur als Psycho mit Persönlichkeitsstörung entpuppt, zum anderen könnten dort vor Ort auch Freunde von ihm auf dich warten, die dich überwältigen und ausrauben wollen oder es einfach nur toll finden, „Schwule zu klatschen“. Reist du beispielsweise mit deinem eigenen Auto zum abgelegenen Treffpunkt an, ist es zudem auch ein leichtes, dich deines Fahrzeugs zu berauben. Andererseits ist es ebenso nicht sinnvoll, dich von einem Unbekannten abhängig zu machen, in dem zum Beispiel in sein Auto steigst und er dich zu einem „ganz tollen geheimen Platz“ mitnimmt, von dem du nicht so leicht eigenständig wieder wegkannst. Zudem kannst du in diesem Fall auch deinen Dating-Ghost gar nicht über euren Treffpunkt informieren. Auch Tiefgaragen mögen zunächst sexy klingen, aber hier kann man dich schnell in die Ecke drängen, meist gibt es auch kaum Personenverkehr, der zur Hilfe eilen könnte, und oftmals hast du nicht einmal ein Handynetz.  Ein wenig stellt sich bei all dem natürlich auch die Frage, wie gut gebaut und trainiert du selbst bist. Ein Karate-Sportler kann sich so vielleicht besser verteidigen als ein IT-Nerd. Je mehr der Fremde aber allein kraftmäßig dir überlegen ist, desto eher solltest du gegebenenfalls vorsichtig sein. Generell sollte man sich auch nicht nur auf seine körperliche Kondition verlassen, denn K.o.-Tropfen oder GHB knocken jeden auch, auch Muskelkerle wie Dwayne Johnson! Und gegen eine Waffe wie ein Messer hat man sowieso kaum eine Chance (jh).

Redaktionhttps://him-magazine.de
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